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Sebi’s good! Not only good in terms of his abilities on a skateboard, but even more as a person! If you know him, you like him. And if you don’t know him yet, maybe this will make it feel a bit more like you would.

– JOHANNES SCHOEN

 

INTERVIEW: JOHANNES SCHOEN
PHOTOS: JAN FEDERER, PHILIPP SCHUSTER, LUCAS JANKOSCHEK, MARLIES WEISSINGER

 

Sebi! – Wie geht es dir? Was treibst du gerade?
Danke gut! Ich bin gerade zu Hause. Vor drei Tagen bin ich zum zweiten mal Papa geworden, also dreht sich gerade alles darum. Windeln wechseln, den Kleinen herumtragen oder meine Große beschäftigen.

Hat Wien eigentlich eine Halle? Wo gehst du im Winter skaten?
Es gibt eine Halle in Wien, aber die ist für die Szene viel zu klein. Also ist sie meistens zu voll und viel zu laut um entspannt zu skaten. Letzten Winter war ich dann nur einen Abend pro Woche dort und ein verlängertes Wochenende in Neapel. Sonst gehe ich im Winter eigentlich nicht skaten. Und jetzt gerade bin ich eben zu Hause bei der Familie und davor war mein Knöchel kaputt.
Aber mittlerweile, auch im Sommer, muss ich gar nicht immer skaten gehen. Früher war ich auch jeden Tag skaten, weil das meine einzige Beschäftigung war. Und meistens waren dann die Beine nicht ganz fit oder wir waren zum zehnten mal am selben Spot. Und hin und wieder war dann mal ein guter Tag dabei.
Jetzt gehe ich nur noch ein-, manchmal zweimal pro Woche skaten, weil ich mich meiner Familie und meiner Arbeit widmen möchte. Aber dafür ist so gut wie jede Session leiwand, ich fühl mich auf meinem Brett wohler als je zuvor und bin jetzt auch mit meiner Footage und meinen Fotos halbwegs zufrieden. haha

Mit wem gehst du aktuell viel skaten?
Viel skaten gehe ich nicht, aber wenn, dann ist das ganz unterschiedlich. Eigentlich kommt es einfach darauf an, wer gerade Zeit hat. Meistens mit Jan Federer (der das ABD Mag macht), Philipp Schuster (der auch gerade Papa geworden ist), Luci Jankoschek (der die Turtle Productions Videos macht) und Noyan, Ben Zibuschka oder Martin Fehrer und der Confus Partie. Da gibt es in Wien auch einige „Crews“ und da hänge ich mich immer irgendwo an – je nachdem wer gerade unterwegs ist.

Wie würdest du die Wiener Skateszene beschreiben?
Groß und produktiv, aber international übersehen. Es gibt einige Crews und viele Leute, die regelmäßig Videos machen, so dass jedes Jahr 2-3 Videos rauskommen. Außerdem macht Jan Federer seit einiger Zeit das ABD Mag, was nach Jahren ohne ein einziges österreichisches Skatemag wirklich eine Bereicherung ist. Dazu gibt es noch ein paar kleine Brands, eine Handvoll brauchbare Skateparks (und mit Spoff Parks die besten Typen um sie zu bauen), viele Spots und richtig viele gute Skater. Und den besten Bodenbelag – da kann man den ganzen Tag durch die Stadt von Spot zu Spot pushen. Aber ich glaube außerhalb von Wien bekommt man recht wenig davon mit. Da dreht sich halt meistens alles um Berlin, Paris, London, Copenhagen oder Barcelona. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so.

Wohnst du schon immer in Wien?
Nein, kurz vor der Matura (Abitur) bin ich nach Wien gezogen. Das ist aber mittlerweile 13 Jahre her.

FASTPLANT, VIENNA | PH: LUCAS JANKOSCHEK

Nochmal, herzlichen Glückwunsch zu deinem zweiten Kind!
Danke! : ) Ich kann selbst noch nicht glauben, dass er jetzt da ist!

Hast du viele Freunde die auch schon Eltern sind?
Mittlerweile schon. Als Mavie vor drei Jahren zur Welt kam waren es ein paar wenige, aber seitdem gibt’s einen richtigen Babyboom bei den Wiener Skatern.

Besteht ein großer Unterschied darin ein Kind zu haben oder zwei?
Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht – Levi ist gerade erst 3 Tage alt. Ich schätze einmal es wird hauptsächlich mehr zu organisieren sein, um Familie, Skaten und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Aber angeblich sind ja zwei Kinder nicht die doppelte, sondern zehnfache Arbeit. Also bin ich mal gespannt und hoffe das Beste! haha

Was hat sich für dich geändert seit du Vater geworden bist?
Alles, aber bisher zum Glück nur zum Guten. Größtenteils haben sich die Wertigkeiten und Prioritäten verschoben. Vieles ist jetzt einfach nicht mehr so wichtig. In Bezug auf Skaten hat sich natürlich viel geändert. Ich hab es ja schon angesprochen – es steckt mehr Organisation dahinter und ich gehe einfach seltener skaten. Kommenden Sommer wird dann wieder alles anders sein. Vielleicht gehe ich dann ja Vormittags skaten, wenn die Große im Kindergarten ist. Dann kann ich sie verschwitzt und dreckig mit dem Skateboard abholen und mir einen Spaß aus den Blicken der anderen Eltern machen. hahaha

SW BS 180 NOSEGRIND, VIENNA | PH: PHILIPP SCHUSTER

Erwartungen vs. Realität? Was traf zu und auf was warst du gar nicht vorbereitet?
Wie das Leben mit Kindern sein wird konnte ich mir davor gar nicht vorstellen. Ich glaube auch nicht, dass man sich darauf vorbereiten kann. Irgendwie ist es dann einfach so.

Hättest du gerne, dass sie einmal Skateboard fahren?
Grundsätzlich natürlich schon. Einfach weil ich einen Bezug dazu habe und mir Skaten so viel gelernt und gebracht hat. Außerdem ist ja Skater sein nicht nur Skateboard zu fahren, sondern geht mit so vielen anderen Dingen einher. Manche fotografieren oder filmen, andere wieder malen, tischlern oder bauen vielleicht Betonparks. Und das alles einfach nur der Sache selbst Willen. Das sind sicher alles erfüllende, kreative Tätigkeiten. Ich glaube das möchte ich ihnen eigentlich mitgeben, dass etwas finden, das ihnen diese Befriedigung gibt. Wenn es dann tatsächlich Skaten ist freue ich mich natürlich darüber.

“I can pick her up sweaty and dirty with the skateboard and have fun seeing the other parents’ looks, haha!”

 

Was machst du beruflich?
Hauptsächlich produziere ich Videos, meistens als Ein-Mann-Band oder als DOP hinter der Kamera. Je nach Auftrag kann es also von der Idee und Konzeption, über den Dreh bis Schnitt und Postproduction gehen. In der Regel sind es kleinere Projekte für Werbeagenturen oder Marketingabteilungen, manchmal werde ich nur als Kameramann gebucht, dann mache ich wieder Stop-Motion Animationen, Cinemagraphs für Instagram und dazwischen mache ich noch kleinere Foto-Jobs. Das ist ein recht heterogenes Aufgabenfeld und immer ein wenig schwer auf den Punkt zu bringen, wenn mich jemand fragt, was ich denn arbeite. Aber am Ende dreht es sich immer darum eine Idee oder Geschichte visuell umzusetzen.

Wie schaffst du es immer wieder neue Aufträge zu finden?
Lustigerweise finden meistens die Aufträge mich. Ich mache den Job auch schon seit fast zehn Jahren, zunächst neben dem Studium und seit einigen Jahren als Einzelunternehmer und da habe ich mir mit der Zeit ein kleines Netzwerk aufgebaut. Beziehungsweise ist es durch die Arbeit entstanden, denn ich komme dabei ja immer wieder mit neuen Menschen zusammen und oft auch mit potenziellen Kunden. Manche Kunden sind auch einfach Freunde und Bekannte, die mittlerweile in Agenturen arbeiten. Außerdem habe ich ein paar Kollegen, die mir Jobs vermitteln, wenn sie bereits gebucht sind und diese nicht selbst annehmen können. Mein Ziel für das nächste Jahr ist es aber auch, mich ein bisschen aktiver um Jobs, die mich interessieren umzusehen.

SW HEELFLIP, VIENNA | PH: PHILIPP SCHUSTER

Hat dich Skateboarding dazu inspiriert kreativ zu arbeiten?
An sich kommt man schon durch Skateboarding schnell in Kontakt mit Fotografie und Video, aber auch Kunst und Musik. Mein Vater hat in meiner Kindheit viel fotografiert, aber meine erste Kamera war dann doch eine Videokamera um meine Freunde beim Skaten zu filmen. Ob ich deswegen jetzt diesen Weg eingeschlagen habe kann ich schwer sagen. Und auch ob ich ohne Skateboarding jetzt diesen Job machen würde. Auf jeden Fall habe ich mich aber durch Skatevideos von Anfang an mit Schnitt und Nachbearbeitung auseinander gesetzt. Mein erstes Skatevideo auf VHS war „Real to Reel“. Das ist für mich immer noch eines der besten Videos, auch weil das Intro und die Zwischensequenzen cool, aber eben nicht too much sind. (Und halt auch wegen Nate Jones, Huf, Mark Gonzales, Cairo Foster und Dennis Busenitz) Aber das war jetzt eigentlich gar nicht die Frage. : )

Hast du jemals überlegt dir einen Job innerhalb der Skateindustrie zu suchen?
Ja, jeden Tag. Hahaha
Aber nein, eigentlich nicht ernsthaft. Ich hab eigentlich einen wirklich leiwanden Job, der es mir auch ermöglicht viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen und Freizeit zum Skaten und für Hobbies zu haben.Außerdem möchte ich in Wien bleiben und hier gibt es kaum Skateindustrie. Natürlich gibt es Skateshops – ich habe auch einige Jahre Samstags im Stil-Laden gearbeitet – und Vertriebe, aber sonst läuft das meiste dann doch über Deutschland. Da mache ich dann doch lieber meinen Job und wenn mir danach ist mache nebenher zum Spaß Grafiken für den Stil-Laden oder Fotos fürs ABD Mag oder was mir sonst so einfällt. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich einmal ein Job im Skaten, der das auch bietet.

Und auf einmal schreiben wir das Jahr 2018! Irgendwelche guten Vorsätze?
Auf alle Fälle für meine Familie da zu sein! Produktiv und dankbar für den Support den ich bekomme zu sein.

NO COMPLY, VIENNA | PH: JAN FEDERER

-Sebi would like to give out huge thanks to Marlies and the whole family, Pauli and Chrisi from Stil-Laden, Johannes & Philipp and everyone at Mosaic / Huf, Jan and John at Sprouters / The Killing Floor, Evy, Bram and Joseph at Carhartt WIP, Henning at 247 / Ace, Philipp and Jan for the photos and again you and Burny for giving me this opportunity!